
unbekannt „Ringestechen“ und „Gänsereißen“ vor den Toren Paderborns, Mitte 18. Jh.
Fastnachtsbräuche, die vor der bevorstehenden entbehrungsreichen Zeit vor allem von der Jugend ausgelassen begangen werden, gibt und gab es wohl überall. So auch in Paderborn Mitte des 18. Jahrhunderts: Reiterspiele, wie sie in zwei Ölgemälden eines unbekannten Künstlers festgehalten sind. Eine ganz ähnliche Veranstaltung gab es schon im Dezember zum „Fest der Unschuldigen Kinder“, wo man den „Kappengang“ absolvierte, auch „Bannerfliegen“ genannt, einen Umzug mit dem Kinderbischof durch die Stadt.
Beim „Ringestechen“ mussten die jungen Burschen im Galopp im Boden aufgesteckte Kränze oder Ringe mit einem kleinen Stock aufgabeln. Beim „Gänsereißen“ mussten sie eine zwischen zwei Bäumen aufgehängte tote Gans im Ritt am Hals packen, bis sie heruntergerissen war. Beide Bräuche wurden von viel Volk, Jung und Alt, einfachen Leuten ebenso wie feinen Damen und auch manch Uniformierten, beobachtet und bejubelt. Ein „Zeremonienmeister“ sorgte dabei für den ordnungsgemäßen Ablauf, ein Imbiss bot Semmeln und Getränke feil. Die „Turnierspäße“ fanden an unterschiedlichen Orten vor den Toren Paderborns statt, das „Ringestechen“ etwa vor der Bastion am Westerntor. Die Stadtsilhouette im Hintergrund – noch mit dem Zwiebelturm der Marktkirche auf dem heutigen Marienplatz – gab es so nur bis 1784.
Pütz, Ursula: Ringestechen vor den Toren der Stadt. Ein vergessener Brauch des Paderborner Bürgertums, in: Dethlefs, Gerd u. a. (Hg.): Seit 200 Jahren – Westfalen entdecken und erforschen. 200 Einblicke in die Sammlungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens (Veröffentlichungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Münster, Bd. 12), Münster 2025, S. 204f.
- Erwerb unklar



