

unbekannt „Pfaffenfeindtaler“ des „Tollen Christian“, Herzogs von Braunschweig-Wolfenbüttel (1599–1626), eines protestantischen Heerführers in der Anfangsphase des 30-jährigen Krieges, 1622 (und Nachprägung der 1660er Jahre), 1622
Er ist ein Klassiker der Münzgeschichte der Frühen Neuzeit: der Pfaffenfeindtaler des ‚Tollen Christian‘, der mitten hineinführt in die erste Phase des Dreißigjährigen Krieges in Westfalen. Ab dem Herbst 1621 bis zu seiner Niederlage in der Schlacht bei Stadtlohn im August 1623 wütete Christian, ein privater Kriegsunternehmer in protestantischer Sache, mit seinem Söldnerheer immer wieder in Teilen Westfalens und darüber hinaus. Bereits Anfang 1622 konnte er den Paderborner Domschatz erbeuten, aus dessen Metall und anderem Beutesilber die Taler entstanden. Geprägt in Lippstadt, dienten sie mit ihrer aggressiven politisch-konfessionellen Propaganda tausendfach zum Anwerben von Söldnern für den Kampf gegen die Katholiken.
Die Vorderseite trägt den Schlachtruf „GOTTES / FREVNDT / DER PFAFFEN / FEINDT“, umgeben vom Namen und Titel des Münzherrn. Die Rückseite zeigt innerhalb der Devise „TOVT AVEC DIEV“ [„Alles mit Gott“] und der Jahreszahl „1622“ einen geharnischten Arm, der mit erhobenem Schwert aus einer Wolke ragt, dem Arm Gottes gleich. Auf einigen Prägungen hat das Schwert sogar ein Birett aufgespießt, die Kopfbedeckung der katholischen Geistlichen. Deutlicher kann man sein Selbstverständnis und die göttliche Legitimation des eigenen Handelns nicht zum Ausdruck bringen. Zugleich wird ein zentrales Anliegen der Reformation vermittelt: der Kampf gegen die von Pfründen lebenden Birett-Träger, die als selbsternannte Mittler den direkten Kontakt zwischen Mensch und Gott verhindern.
Neuwöhner, Andreas: Kunstraub im Dreißigjährigen Krieg. Der Pfaffenfeindtaler des Christian von Braunschweig, in: Dethlefs, Gerd u. a. (Hg.): Seit 200 Jahren – Westfalen entdecken und erforschen. 200 Einblicke in die Sammlungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens (Veröffentlichungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Münster, Bd. 12), Münster 2025, S. 266f.
- Erwerb unklar





