
unbekannt Schlangen-Armreif, römisch/germanisch, 1.–4. Jh. n. Chr.
Ursprünglich muss dieses Schmuckstück goldglänzend ausgesehen haben, seine typisch grüne Farbe hat es heute durch die Patinierung des in der Bronze als Hauptbestandteil enthaltenen Kupfers. So wird der zierliche, gerade einmal 7,4 cm im Durchmesser große Reif einmal am Arm einer vornehmen Dame gesteckt haben. Derartige Objekte waren in der Antike Statussymbole einer gesellschaftlichen Elite.
Der Reif ist in der Form einer Schlange ausgearbeitet: spiralig gewunden mit einer vollen und zwei halben Windungen, die jeweils den Kopf bzw. das Schwanzende bilden. Die gewölbte Außenfläche ist in der vorderen Hälfte mit Kreisaugen und in der hinteren mit Kreissegmenten punziert und imitiert damit das typische Erscheinungsbild einer Schlangenhaut. Der Kopf wirkt geradezu naturalistisch: Augen und Nasenlöcher bilden runde Vertiefungen, das Maul ist ebenfalls erkennbar.
In den 1930er-Jahren gelangte ein bronzener Armreif in die Sammlung des Paderborner Altertumsvereins, der auf dem Gelände einer Tongrube in Schloss Neuhaus gefunden worden war. Diese Gegend gehörte zu einer alten Kulturlandschaft am Ostufer der Alme, wo schon lange vor der Gründung Paderborns bedeutende Siedlungen wie etwa Balhorn bestanden. Ob es sich allerdings um einen Importgegenstand aus der römischen Provinz oder aber um ein germanisches Produkt, gefertigt unter römischem Einfluss, handelt, ist schwer zu entscheiden. Es gibt typologische und stilistische Anhaltspunkte für beides, aber bisher keine exakten Vergleichsstücke.
Eggenstein, Georg: Römisch oder germanisch? Ein Schlangen-Armreif aus Schloss Neuhaus, in: Dethlefs, Gerd u. a. (Hg.): Seit 200 Jahren – Westfalen entdecken und erforschen. 200 Einblicke in die Sammlungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens (Veröffentlichungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Münster, Bd. 12), Münster 2025, S. 78f.
- Gefunden in Paderborn-Schloß Neuhaus
- Erworben in den 1930er Jahren



