
Ulrich Odendall Münzwaage mit 40 Goldmünzgewichten und 2 Ausgleichsgewichten, 1653
Münzwaagen waren Präzisionsinstrumente, die bis auf das Zehntelgramm genau messen konnten. Mit ihnen wurden Goldmünzen und einige Großsilbermünzen des 15. bis frühen 19. Jahrhunderts geprüft, um ihren reellen Zahlwert zu bestimmen. Denn diese Münzen waren exakt das wert, was sie an Edelmetall enthielten – Manipulationen wie das Beschneiden oder Befeilen am Rand und natürlich Fälschungen bedeuteten einen Wertverlust.
Köln war im 16. und 17. Jahrhundert das Zentrum der Münzwaagenherstellung in Europa. Sie wurden arbeitsteilig produziert: Die Inschrift im Deckel „Wag und gewicht macht M: Ulrich Odendall wonet · uff s · Maximillenstraßen im Cranen bey allerhei:ligen in Collen · 1653 ·“ gibt den Meister Ulrich Odendahl zu erkennen, von dem Waagen zwischen 1652 und 1662 bekannt sind. Die eiserne, gleicharmige Balkenwaage mit zwei Waagschalen aus verzinntem Messing wurde laut Marke von einem Verwandten, Berndt Odendahl gefertigt, der ca. zwischen 1636 und 1652 tätig war.
In der hölzernen, verzierten Lade haben in drei Ebenen insgesamt 40 quadratische Messinggewichte Platz. Das Fach für jedes Gewicht ist mit Namen und Wert beschriftet, die Gewichtsstücke sind mit vereinfachten Darstellungen der Münzbilder versehen. Es gibt Gewichte für Goldmünzen aus England, Frankreich, Burgund, den Niederlanden, Spanien, Portugal, Ungarn und Italien. Mithilfe der winzigen Ausgleichsgewichte unter einem Schuber im Deckel konnte der Unterschied zur Norm herausgemessen und dann mit dem Gegenüber beim Bezahlvorgang verhandelt werden.
Thier, Bernd: Gewogen und für gut befunden. Eine Kölner Münzwaage des Ulrich Odendall, in: Dethlefs, Gerd u. a. (Hg.): Seit 200 Jahren – Westfalen entdecken und erforschen. 200 Einblicke in die Sammlungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens (Veröffentlichungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Münster, Bd. 12), Münster 2025, S. 206f.
- Geschenkt kurz vor 1840 von Rentmeister Bernhard Kentling, Münster