

unbekannt Schandmantel („Spanischer Mantel“) aus Dülmen-Hiddingsel, 17. Jh.
Ein Schandmantel, auch Schandtonne oder „Spanischer Mantel“, war ein Instrument zum Vollzug von sogenannten Ehrenstrafen, wie es sie seit dem 13. Jahrhundert gab. Derartige Strafen wurden für minderschwere Delikte verhängt und dienten dazu, den Delinquent:innen die Ehre zu nehmen oder zumindest zu mindern. Man wurde darin öffentlich bloß- und zur Schau gestellt, konnte von jedermann beschimpft, misshandelt oder mit Unrat beworfen werden. Die Form ist immer die gleiche: aus Holzdauben zusammengesetzt, mit Eisenbändern zusammengehalten, zum Transport mit zwei Tragegriffen versehen sowie mit einem Verschlusshaken, denn natürlich musste er aufklappbar sein. Auf die Schultern gelegt, musste der „Mantel“ dann aus eigener Kraft, nicht auf dem Boden stehend, über Stunden getragen werden. Es gibt auch mit entsprechenden Szenen bemalte Exemplare, hier wurde komplett darauf verzichtet.
Der Schandmantel, nur ungenau ins 17. Jahrhundert datierbar, ist aus einem Haus der ehemaligen Obödienz Hiddingsel des Domkapitels Münster überliefert, das 1827 von Preußen an den Herzog von Croÿ verkauft wurde. Ob er tatsächlich aus diesem Zusammenhang stammt oder aus dem für Hiddingsel zuständigen Gericht Dülmen, ist unklar. Wie die „Fürstlich münsterische Eigentums-Ordnung“ von 1770 zeigt, handelt es sich um ein Instrument gutsherrlicher Gerichtsbarkeit, Beleg für die sogenannte Eigenhörigkeit, ein zentrales Rechtsverhältnis der westfälischen Agrarverfassung. Aus dem Raum Dülmen ist noch ein ähnliches Objekt erhalten: der Schandpfahl aus Rorup von 1742, positioniert am Toreingang zum Haus Rorup, dem Sitz des Markenrichters.
Sudmann, Stefan: Öffentlicher Spott und Hohn. Der Schandmantel aus Hiddingsel, in: Dethlefs, Gerd u. a. (Hg.): Seit 200 Jahren – Westfalen entdecken und erforschen. 200 Einblicke in die Sammlungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens (Veröffentlichungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Münster, Bd. 12), Münster 2025, S. 216f.
- Geschenkt 1872 von Herzog Rudolf von Croÿ, Dülmen





