
Reiner Ruthenbeck Weißes Banddreieck mit gerundetem Metallstab 4/158, 1981
Reiner Ruthenbecks Objekte sind meist minimale Formen, realisiert mit reduzierten Mitteln. Verwendete Materialien wie Papier, Asche, Metall oder Stoff und eine oftmals streng geometrische Formensprache rücken seine Arbeiten in die Nähe der Arte povera oder Minimal Art. Doch Stiletiketten wie diese erfassen nur am Rande seine eigenständige künstlerische Position. Ruthenbecks stark konzeptuell angelegte Bildhauerei zeugt von einer ausgeprägten Sensibilität für die sinnliche Qualität von Materialien und ihren Beschaffenheiten. Das Ende der 1960er Jahre generell erwachte Interesse an neuen, veränderlichen Materialien wie Glasfaser, Filz, Gummi und Textilien ist auch als eine Abkehr vom Gestaltformalismus der Minimal Art zu sehen. In der Plastik entfalten stoffliche Eigenschaften wie Flexibilität, Ausdehnung und Starre neben physikalischen Kräften wie Gewicht und Gravitation ihre gestalterische Wirkung. In Ruthenbecks Werk findet dies seine Ausprägung in einer Vielzahl von Objekten, bei denen Schwere und Spannung ebenso wie die Gegensätzlichkeit von Materialkomponenten die Form des Objekts erst generieren. In dem Wandobjekt „Weißes Banddreieck mit gerundetem Metallstab 4/158“ (1981) ist dieses Verhältnis zentral. In ein weißes, an einem Metallstift hängendes Stoffband ist ein schwarzer, gekrümmter Metallstab so eingelegt, dass sich die Form eines Dreiecks bildet. Dieses besteht aus zwei symmetrischen, gleichlangen Seiten und einem die Grundform schließenden Kreissegment. Der lastende Metallstab spannt das tragende, elastische Stoffband, so dass es geradlinig verläuft. Demgegenüber erscheint der Metallstab unter der Wirkung der Schwerkraft verformt. Weicher Stoff und hartes Metall, Weiß und Schwarz, Schwerkraft und Gegenkräfte sind die Polaritäten, die Ruthenbeck in ein ruhiges, meditatives Gleichgewicht überführt. BP Literatur: Erich Franz: Reiner Ruthenbeck. Weißes Banddreieck mit gerundetem Metallstab 4/ 158, 1981. In: LWL-Museum für Kunst und Kultur (Hrsg.): Das Kunstwerk des Monats. August 1994, Münster 1994. Reiner Ruthenbeck. Werkverzeichnis der Installationen, Objekte und Konzeptarbeiten. Christoph Brockhaus (Hrsg.). Kunsthalle Düsseldorf, Köln 2008. Erich Franz: Die Verflüchtigung des Sichtbaren. Werke nach 1945 im Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster. Münster 1999. Reiner Ruthenbeck. Klaus Honnef (Hrsg.), Westfälischer Kunstverein Münster, Recklinghausen 1971.
Beate Pittnauer
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Erworben mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen
Erworben mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen
Maße
Höhe 315 cm Breite 158 cm Tiefe 4 cm
Material
Stoff, Aluminium, Lack, Stift Inventarnummer
A-1101 LM Standort
Nicht ausgestellt 


