

unbekannt Domkapitel Münster, Bursarien-Zeichen zu 3 Schilling, 1543, 1543
Es war eine hochbedeutende Kollektion aus einer angesehenen münsterischen Beamtenfamilie, aus der der Altertumsverein zu Münster für seine Münzsammlung schöpfen durfte. Laut Vertrag von 1891 sollten die 171 ausgewählten Stücke, Rares ebenso wie Häufiges, zunächst Depositum bleiben und erst nach dem Tod des Schenkers ins Vereinseigentum übergehen. Der Mäzen war Hofrat Prof. Dr. Julius (von) Ficker (1826–1902), seit 1852 Geschichtsprofessor in Innsbruck.
Eine der großen Besonderheiten ist offenbar bis heute ein Unikum. Die Vorderseite zeigt einen Gerüsteten zu Pferd, aus einer kreuzbesetzten Wolke prasselt Hagel, er hat den Kopf zurückgewandt und die Linke schützend erhoben. Die Umschrift „SAVLE SAVLE QVID ME PERSEQVE[ris]“ [„Saul, Saul, was verfolgst du mich“, Apg 9,4] bezieht die Szene auf die Jesus-Erscheinung, die den Christenverfolger Saulus zum Bekehrten Paulus, der Stiftsheilige Münsters, werden ließ. Gerahmt von Rankenwerk, bietet die Rückseite die Wertangabe „S I I I“, darüber die Jahreszahl 1543.
Wie alle bis 1640 vom Domkapitel in Münster geprägten Kupfermünzen waren auch die frühesten datierten eigentlich Präsenzzeichen, Verrechnungsmarken für die Teilnahme der Geistlichen an Gottesdiensten. Sie wurden vom Bursarius verausgabt und zuvor gegengestempelt; bei Wechsel im Amt wurden sie erneut gestempelt. Von 1543 gibt es auch 12-, 6- und 4-Pfennig-Stücke, und alle tragen sie, auf der Rückseite in fester Anordnung nachträglich eingeschlagen, drei Gegenstempel.
Kötz, Stefan: Ein domkapitularisches Unikum. Ein münsterisches Bursarienzeichen von 1543, in: Dethlefs, Gerd u. a. (Hg.): Seit 200 Jahren – Westfalen entdecken und erforschen. 200 Einblicke in die Sammlungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens (Veröffentlichungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Münster, Bd. 12), Münster 2025, S. 220f.
- Geschenkt 1891/1902 von Hofrat Prof. Dr. Julius (von) Ficker, Innsbruck





