Straßenbahn-Oberleitung II, 1947
Bereits in den späten 1930er-Jahren fertigte Gustav Deppe erste Zeichnungen und eine Folge lavierter Lithografien mit Themen technischer Bauwerke im Ruhrgebiet an, darunter Brückenbauten, Signalanlagen und Straßenlaternen. Seine Arbeit „Straßenbahn-Oberleitung II“ entstand 1947. Schon im Jahr darauf stellte der Westfälische Kunstverein dieses Werk im Rahmen der Ausstellung „Gustav Deppe“ aus. Die Bauten der Industrielandschaften des Rheinlands und Ruhrgebiets ziehen sich wie ein roter Faden durch das Werk des Künstlers. Hochspannungsleitungen und -masten in verschiedensten Variationen sind in den ausgehenden 1940er- sowie frühen 1950er-Jahren ein zentrales Thema in der Kunst Deppes. Er dokumentierte damit Symbole für den Beginn des wirtschaftlichen Aufschwungs in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und schuf gleichermaßen identitätsstiftende Bildnisse für eine ganze Region und ihre Bewohner:innen.
Gustav Deppes Werk stellt dabei keine blinde Fortschrittsgläubigkeit zur Schau oder bildet eine Dämonisierung der Technik ab. Stattdessen zeigt er hier in einer ruhigen harmonischen Komposition eine von tiefer Sympathie zur Region getragene Realität, die aber bisweilen ein eher verklärtes Bild moderner urbaner Industriegesellschaften zeichnet und einen positiven Blick jener Epoche vermittelt, die sich den Schwierigkeiten und Gefahren der industriellen Realität noch nicht vollends bewusst ist.
Das Landesmuseum erwarb das Werk im Rahmen der Ausstellung „Gustav Deppe“ für 500 Mark direkt vom Künstler.
LWL-Museum für Kunst und Kultur (Hg.): Die Gemälde der Moderne 1900 bis 1960. Die Sammlungen des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster [Best.-Kat. LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster 2023], Petersberg 2023, S. 115.
- 1948 erworben vom Künstler aus der Ausstellung „Gustav Deppe“, Münster