
Thomas Ruff Cassini #21, 2009
Thomas Ruff ist kein Fotograf im herkömmlichen Sinne, vielmehr ist er ein Forscher auf dem Gebiet der bildgebenden Medien. Seit den 1986 entstandenen großformatigen Porträts hat er in einer Vielzahl von Serien versucht, die jeweiligen Grenzen und Potenziale verschiedener Techniken und Entstehungsweisen von fotografischen Bildern auszureizen. Die cassini-Serie entstand zwischen 2008 und 2009. Der Name geht zurück auf die 1997 gestartete, nach dem italienischen Astronomen Giovanni Cassini benannte NASA-Mission zur Erforschung des Saturns. 2004 war die Raumsonde Cassini-Huygens auf die Umlaufbahn des Planeten eingeschwenkt und sendete ab diesem Zeitpunkt Bilder des Saturns, seiner Ringe und Monde in bisher noch nie gesehener Qualität und Detailtiefe. Die übermittelten Bilder waren eine wissenschaftliche Sensation. Die übertragenen Aufnahmen, die aus einer Entfernung von 1425 Millionen Kilometer an die Erde gesendet wurden, sind für jeden frei zugänglich auf der Homepage der NASA zu sehen. Da die Aufnahmen von einer Maschine und nicht von einem Menschen fotografiert wurden, unterliegen sie nicht dem Copyright und sind über das Internet für jedermann zugänglich gemacht worden. Thomas Ruff lud die Bilder aus dem Internet auf seinen Computer und bearbeitete die Aufnahmen für seine cassini-Serie digital. Er wählte aus der ungeheuren Vielfalt des Bildmaterials, das von der Sonde in gleichen zeitlichen Abständen automatisiert gemacht wurde, aus und vergrößerte, soweit es die Auflösung der NASA-Aufnahmen zuließ, die Bilder auf ein Format von 80 mal 80 Zentimeter. Dem schwarz-weißen Ausgangsmaterial fügte Thomas Ruff Farben hinzu, die er frei wählte. Da die Aufnahmen der Sonde per se eine gewisse Abstraktion hatten, übersteigerte er den fantastischen Gehalt, der in ihrer Herkunft liegt, indem er sie am Computer kolorierte. Das Ergebnis sind Bilder, die in leuchtenden, fantastisch wirkenden Farben abstrakte Formen wie Kugeln, schwungvolle Linien und geometrisch strukturierte Flächen zeigen. Der wissenschaftliche Ursprung der Bilder und deren ungeheure Objektivität stehen in einem Spannungsverhältnis zu den der subjektiven Fantasie entsprungenen, durch gesellschaftliche Klischees gebildeten Vorstellungen vom Aussehen des Weltalls. MB Literatur: Bono, Melanie (Hg.): Thomas Ruff, Stellar Landscapes [Ausst. Kat.]. LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster. Heidelberg 2011. Christov-Bakargiev, Carolyn: Thomas Ruff [Ausst. Kat.]. Castello di Rivoli, Turin 2009. Winzen, Matthias [u. a.] (Hg.): Thomas Ruff, Fotografien 1979 bis heute [Ausst. Kat.]. Köln 2001.
Einblicke – Ausblicke. Spitzenwerke im neuen LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster, hrsg. v. Hermann Arnhold, im Auftrag des Landschaftverband Westfalen-Lippe, Wienand Verlag, Köln 2014
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Maße
Rahmen Höhe 108.2 cm Rahmen Breite 108 cm
Inventarnummer
C-18976 LM Standort
Nicht ausgestellt 


