Bildnis Gerda Rotermund (1902-1982) ?, um 1945
Bei dieser Aquatintaradierung handelt es sich um ein Selbstporträt der deutschen Grafikerin und Malerin Gerda Rotermund. Geboren in Berlin, folgten auf ein Studium Reisen in die Provence und nach Paris. Nach ersten Ausstellungen in ihrer Heimatstadt zwang sie der Zweite Weltkrieg zur Flucht.
Das Blatt ist Teil ihres Hauptwerkes, dem „De Profundis“-Zyklus, den sie in den Jahren von 1947 bis 1952 anfertigte. Der vollständige Name, „De profundis clamavi ad te, Domine“ [Aus der Tiefe rief ich, Herr, zu dir], bezieht sich auf den Psalm 130. Der Zyklus besteht aus insgesamt 16 Radierungen und wurde in der Erstausgabe mit einer Auflage von 100 Abzügen pro Blatt herausgegeben.
Darin setzt sich Rotermund mit den Folgen des Krieges im Zuge der Ausbombung Berlins auseinander. So zeigt „Ruineneinsamkeit“ die Künstlerin inmitten von Verwüstung in den Ruinen einer wahrscheinlich zerbombten Häuserreihe. Die Bilder von der Flucht und des zerstörten Nachkriegsdeutschlands sorgten schon zu Rotermunds Lebzeiten für Aufmerksamkeit. Darstellungen von Krieg, Tod und Zerstörung waren unmittelbar nach Kriegsende nicht nur ungewöhnlich, sondern konfrontierten die Betroffenen mit einer für viele nur schwer zu ertragenden Lebensrealität. 1952 wurde Rotermund für das Werk mit dem Kunstpreis der Stadt Berlin ausgezeichnet. Heute befindet sich der gesamte Zyklus in der Berlinischen Galerie, die Druckplatten sind im Berliner Kupferstichkabinett beheimatet.
Heuer, Cornelia: Gerda Rotermund, in: https://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/gerda-rotermund/