
August Macke Orientalisches Liebespaar, 1912
In seiner Komposition „Orientalisches Liebespaar“ entwirft August Macke mit wenigen farbintensiven Linien ein märchenhaft anmutendes Motiv. Die Liebenden sitzen inmitten einer üppigen Vegetation, umfangen von ausgreifenden Blüten und grünem Blattwerk. Mit abstrakt-ornamentalen Formen gelingt dem Künstler hier eine harmonische Farbfantasie. In ihr verbindet er die für ihn typischen Motive. Naturmystik, Exotik und der Entwurf eines künstlerischen wie irdischen Paradieses schwingen als lebendige Vorstellungen mit. Mackes Orientrezeption ist im Kontext seiner Suche nach neuen künstlerischen Ausdrucksformen zu sehen. Es galt, für den modernen Menschen eine eigene, der Zeit entsprechende Formensprache zu finden. Der Orient, geografisch nicht exakt umrissen, wurde zur Projektionsfläche für Paradiesvorstellungen und Ursprünglichkeit. Der Besuch der Ausstellung von Meisterwerken muhammedanischer Kunst in München 1910 verstärkte Mackes Interesse für die arabisch-islamische Kultur, für ihre Malerei und Textilkunst. Aus der Tradition der Paradiesdarstellungen, der Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies, entwickelte er seine Vorstellung von einem vollkommenen Garten, in dem Mann und Frau in harmonischer Einheit mit den Kräften der Natur stehen. Die unterschiedlichsten Vorbilder inspirierten ihn zu diesen Darstellungen. Vor allem Liebespaare, orientalisch gekleidete und turbantragende Jünglinge sowie badende Mädchen, umgeben von üppiger Vegetation und fantastischen Tierwelten, waren schon vor Mackes Tunisreise typische Sujets und verbildlichen seine Vision des verlorenen Paradieses. TPM Literatur: Ewers-Schultz, Ina: Crossover zwischen Textilien und Malerei um 1914 am Beispiel von August Macke und der Omega-Künstler_innen Vanessa Bell, Duncan Grant und Roger Fry, in: Dogramaci, Burcu (Hrsg.): Textile Moderne – Textile Modernism, Wien / Köln / Weimar 2019, S. 243–254 Güse, Ernst-Gerhard: Das Erlebnis des Orients, in: Die Tunisreise 1914. Paul Klee, August Macke, Louis Moilliet [Ausst.-Kat. Zentrum Paul Klee, Bern, 2014], Ostfildern 2014, S. 11–27 Ewers-Schultz, Ina: August Macke ganz privat. Eine Reise durch das Leben von August Macke [Ausst.-Kat. Kunsthaus Stade, 2009 / Museum für Neue Kunst Freiburg, 2010 / August-Macke-Haus, Bonn, 2010/11], Köln 2009 Bartmann, Dominik: August Macke – Kunsthandwerk. Glasbilder, Stickereien, Keramiken, Holzarbeiten und Entwürfe, Berlin 1979
Tanja Pirsig-Marshall
Maße
Blatt Höhe 48.8 cm Blatt Breite 62.5 cm
Material
Gouache, Kreide, Papier Inventarnummer
KdZ 9318 LM Standort
Nicht ausgestellt Kunstwerk des Monats
KdM_06_2021.pdfVerwandte Begriffe
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