
unbekannt Vier Hinrichtungsnägel (1873 auf Pappe montiert), 14./15. Jh.
Heinrich Geisberg (1817–1895), Konservator der Sammlungen des Münsteraner Altertumsvereins, notierte in seinem Inventar: „Vier große eiserne Nägel, an welchen sich Stücke von Schädeln bzw. der Kinnlade und unten Holzfasern befanden. Gefunden oben auf einem Hügel der Hohenwarth. Vermutlich Nägel, welche nach der Exekution den Verbrechern durch den Kopf getrieben wurden, um die Köpfe zur Schau zu stellen. Da angeblich 13 Nägel gefunden sind, gehören sie vielleicht zu der Exekution der 13 dort gehängten Räuber […]“.
Entdeckt wurden die Nägel 1873 beim Kiesgraben an der Bahnstrecke Münster-Hamm, zusammen mit unzähligen weiteren menschlichen Knochen. Die Fundstelle, ein Waldgebiet zwischen Hiltrup, Albersloh und Rinkerode, war ein Gerichtsort, wo unter freiem Himmel schwere Rechtsfälle verhandelt wurden. Direkt daneben stand der Galgen, der bis Ende des 18. Jahrhunderts in Funktion war. Dass man abgehauene Schädel aufnagelte, diente der Abschreckung und war durchaus üblich.
Eine münsterische Bischofschronik berichtet zum Jahr 1421, dass Männer aus der Grafschaft Mark und dem Vest Recklinghausen Raubzüge im Hochstift Münster und insbesondere im Stift Cappenberg begangen hatten. Mehrere Übeltäter wurden daraufhin von den Cappenbergern verfolgt und in Lippe und Ruhr ertränkt, 13 zudem gefangengenommen, die auf Befehl des Bischofs am 13. September 1421 auf der „Honworde“ gehängt wurden. Stammen die vier Nägel, von Geisberg 1873 auf Pappe montiert und darauf die Informationen notiert, tatsächlich von diesen 13 Straßenräubern?
Thier, Bernd: Zeugnisse einer blutigen Rechtsprechung. Nägel von der Richtstätte in der Hohen Ward bei Hiltrup, in: Dethlefs, Gerd u. a. (Hg.): Seit 200 Jahren – Westfalen entdecken und erforschen. 200 Einblicke in die Sammlungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens (Veröffentlichungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Münster, Bd. 12), Münster 2025, S. 124f.
https://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/urn/urn:nbn:de:hbz:6:1-101324
- Gefunden 1873 auf der Richtstätte Hohe Ward bei Münster-Hiltrup
- Erworben 1873



