



Gicelin Schwert mit Inschrift „Gicelin me fecit“, 1. Hälfte 14. Jh.
Der Name „Gicelin“ war eine Marke für mittelalterliche Schwerter – wie, noch etwas älter, auch der Name „Ulfberth“. Und so erscheint der Name dieses Schwertfegers unbekannter Herkunft noch über Jahrhunderte auf den Klingen; auch Fälschungen auf seinen Namen hat es wohl gegeben.
Die ältesten bekannten „Gicelin“-Schwerter datieren um 1100 und ins späte 12. Jahrhundert, andere Fundstücke gehören ins 13. oder 14. Jahrhundert, die eigentliche Hochphase. Ihr Hauptverbreitungsgebiet war der niederdeutsche Raum, Funde gibt es neben Deutschland aber auch aus den Niederlanden, Finnland und Dänemark. Das vorliegende Schwert wurde bisher ebenfalls sehr früh, ins 12. Jahrhundert, datiert, ist jedoch deutlich jünger: frühes 14. Jahrhundert.
Das Einhandschwert trägt in der Hohlkehle auf einer Seite noch gut lesbar die Inschrift „+ GICELIN ME FECIT“ [Gicelin hat mich gemacht]. Auf der Kehrseite ist dagegen nur noch fragmentarisch „in nomen doMINI“ [Im Namen des Herrn] zu entziffern. Beides zusammen, die allgemein weit verbreitete Segensinschrift in Kombination mit der Namensinschrift, ist typisch für die „Gicelin“-Gruppe. Allerdings erscheinen diese Schwerter in durchaus unterschiedlichen Formen: Neben Scheibenknäufen wie bei diesem Exemplar gibt es auch Radknäufe und Paranussknäufe.
Das Schwert wurde 1962 uninventarisiert aufgefunden, nur der Fundort Werne ist bekannt; die Patina deutet aber auf einen Gewässerfund. So kann vermutet werden, dass es möglicherweise bei den Bauarbeiten zum Lippe-Durchstich 1865 auftauchte. Auch andere Waffenfunde aus der Umgebung stehen mit Wasserbauarbeiten an der Lippe im Zusammenhang.
Tarner, Patrick: Wer war Gicelin? Ein mittelalterliches Schwert mit Inschriften, in: Dethlefs, Gerd u. a. (Hg.): Seit 200 Jahren – Westfalen entdecken und erforschen. 200 Einblicke in die Sammlungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens (Veröffentlichungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Münster, Bd. 12), Münster 2025, S. 126f.
Schwietering, Julius: Meister Gicelin, in: Zeitschrift für historische Waffen- und Kostümkunde Bd. 7 (1915-1917), S. 212-215.
- Gefunden wohl 1865 beim Lippe-Durchstich in Werne (Kr. Unna)
- Erwerb unklar



