
Katja Davar VOICE, 2006
Die aus London stammende und in Köln lebende Künstlerin Katja Davar ist vor allem Zeichnerin. Auch ihre Animationsfilme gehen von der Zeichnung aus. Zeichnen bedeutet bei ihr ein Öffnen der Papierfläche auf unbegrenzte und unüberschaubare Räume, ein Aufwachsen linearer Zweige, ein schwereloses Schweben und Gleiten in der Art von Quallen und Meerestieren, ein Sich-Verdunkeln zu bedrohlichen Qualmwirbeln und unergründlichen Tiefen. In oft metergroßen Zeichnungen begegnen solche fließenden Bewegungen oft harten Architekturblöcken oder starren Balkendiagrammen. Radiale Strahlengebilde wirken wie Himmelskörper und heben Größenmaßstäbe auf. Geometrische Konstruktionen aus Punktlinien durchschneiden perspektivisch sich öffnende Räume. Zeichnen bedeutet hier also das Überwältigen des Betrachters mit unterschiedlichsten Vorstellungen, die stets in Bewegung erscheinen und beim Betrachter Bewegung erzeugen. Nichts steht fest, nichts ist für sich feststellbar, sondern eines erwächst unweigerlich aus dem andern und entfaltet seine eigene, unvorhersehbare und mit dem vorher Gesehenen unvereinbare Realität. Es gibt keine bildhafte Einheit, in der sich all das Sichtbare zu einer Komposition und einem Bildraum zusammenfügt. Der Blick wird gedrängt, gezogen, aufgesogen und hinweggeführt von einer Vorstellung zur anderen. Sie breiten sich in unterschiedlichen Bewegungsarten aus, langsam, rhythmisch, rasant oder sich dunstig verlierend. All diese Auflösung führt jedoch weder zu Depression noch zu Ironie, sondern aus ihr entfalten sich unerwartete Energien und ein Wille zu freier, nicht voraussehbarer Bewegung. EF Literatur: Katja Davar. Even Ghosts Ring Bells Underwater [Ausst. Kat.], Galerie Vera Gliem, Köln 2012. Tom Holert u. Kate MacFarlane: Katja Davar [Ausst. Kat.], The Drawing Room, London 2006.
Erich Franz
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Stiftung "Sammlung 'Die Linie'"
Stiftung "Sammlung 'Die Linie'"
Maße
Höhe 77 cm Breite 62 cm
Material
, Papier Inventarnummer
KdZ 7659 LM Standort
Nicht ausgestellt 