
Joseph Beuys Simulation von "Unschlitt/Tallow /Wärmeskulptur auf Zeit hin angelegt" oberhalb der Fußgängerunterführung, 1977
Für die Skulptur Ausstellung in Münster 1977 formte Joseph Beuys einen funktionslosen, keilförmigen Hohlraum oberhalb des Fußgänger:innentunnels zum Schlossplatz und unterhalb der Rampe des Hörsaalgebäudes ab. Anders als ursprünglich geplant, arbeitete er hierfür mit einer Hohlform, die er mit einer Mischung aus Stearin und Rindertalg ausgoss. Anschließend ließ er den Keil willkürlich zerschneiden und stellte ihn im Lichthof des Westfälischen Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte aus. Heute befindet sich das Werk mit dem Titel „Unschlitt/Tallow (Wärmeskulptur auf Zeit hin angelegt)“ im Museum Hamburger Bahnhof in Berlin.
Im Skulptur Projekte Archiv findet sich in der Projektakte zum Werk eine Collage, die den auszufüllenden Raum zwischen Fußgänger:innentunnel und Hörsaalgebäude zeigt. Eine auf ein Foto aufgeklebte weiße Pappfläche veranschaulicht den ungenutzten Leerraum, den Beuys für seinen Abguss nutzte und anschließend als erkaltete Keilstücke im Lichthof des Museums ausstellte. Mit dem Werk schuf der Künstler genau jenen Dialog zwischen Kunst im musealen und öffentlichen Raum, auf den Klaus Bußmanns und Kasper Königs Ausstellungskonzept für die erste Edition der Skulptur Projekte abzielte. 1977 sollte nämlich durch eine Kombination aus historischer Überblicksausstellung und zeitgenössischer Positionen im Stadtraum eine Basis für einen offenen Umgang mit Skulptur gefunden werden. Erst ab 1987 wurde der von Kasper König kuratierte „Projektbereich“ zur Grundlage für das alle zehn Jahre stattfindende Ausstellungsformat.
Skulptur Projekte Archiv



