
Johann Friedrich Gottlieb Unger Bildnissilhouette Johann Joachim Spalding (1714-1804), 1779
Silhouetten waren eine Mode, die sich seit etwa 1765 in Europa verbreitet hatte: der französische Finanzminister Étienne de Silhouette (1709–1767) hatte sein Schloss aus Sparsamkeit nicht mit Gemälden, sondern mit Schattenrissen dekoriert; sein Name übertrug sich auf die Gattung. Der Schattenriss wurde durch Hinterleuchten des Kopfes auf ein Blatt Papier aufgezeichnet und die Umrisslinie durch einen Storchenschnabel auf handliches Format verkleinert, dann ausgeschnitten oder mit Tusche schwarz ausgemalt. Der im Verhältnis zur Zeichnung, zum Gemälde und zum Bildnisstich geringe Aufwand und Preis verhalf dem Medium, das so ein Vorläufer der Fotografie wurde, zu großem Erfolg. Außerdem galt die Silhouette seit dem vierbändigen Werk von Johann Caspar Lavater, "Physiognomische Fragmente" (4 Bände, 1775–1778) als objektives Porträt, das auch über den Charakter Auskunft gebe. Zugleich wertete die literarische Bewegung der "Empfindsamkeit" Gefühle wie Liebe und Freundschaft auf und machte die Silhouette zum Beleg inniger Freundschaft. Besonders beliebt wurden Schattenrisse an den Universitäten, wo sie Stammbücher illustrierten, um Freundschaften zu dokumentieren. Dieses Blatt stammt aus einer Edition "Schattenrisse sechs Berlinscher Gelehrten / Jn Holz geschnitten von Unger, dem jüngern. Erste Sammlung", die 1779 in Berlin erschien. Spalding war Sohn eines lutherischen Pfarrers in Vorpommern, studierte Theologie in Rostock und Greifswald und wurde schließlich zum Dr. theol. promoviert. Durch Bücher und Schriften wurde er zu einem prominenten Verfechter einer Aufklärungstheologie, mit Gleichgesinnten wie Lavater gut vernetzt. Zunächst Pastor in Lassan, ab 1757 in Barth, wurde er 1764 nach Berlin berufen, wo er bis 1788 sein Amt als Propst der St. Nicolai-Kirche bekleidete und bis zu seinem Tode durch seine Schriften einflussreich wirkte.
Dethlefs, Gerd
Weiß, Ulrike: "treuer Schatten des Freundes". Die Porträt-Silhouette der Wertherzeit, in: dies. u.a. (Hg.), Goethes Lotte. Ein Frauenleben um 1800, Ausst.Kat. Wetzlar/Weimar/Hannover 2003, S. 140-157.
Porträtarchiv Diepenbroick
Maße
Blatt Höhe 18.5 cm Blatt Breite 13.3 cm
Material
Papier Inventarnummer
C-3875 PAD Standort
Nicht ausgestellt Kunstwerk des Monats
https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Joachim_SpaldingVerwandte Begriffe
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