
Bildnissilhouette François Aubertin (1773-1821), o.J. (um 1795/1805)
Silhouetten waren eine Mode, die sich seit etwa 1765 in Europa verbreitet hatte: der französische Finanzminister Étienne de Silhouette (1709–1767) hatte sein Schloss aus Sparsamkeit nicht mit Gemälden, sondern mit Schattenrissen dekoriert; sein Name übertrug sich auf die Gattung. Der Schattenriss wurde durch Hinterleuchten des Kopfes auf ein Blatt Papier aufgezeichnet und die Umrisslinie durch einen Storchenschnabel auf handliches Format verkleinert, dann ausgeschnitten oder mit Tusche schwarz ausgemalt. Der im Verhältnis zur Zeichnung, zum Gemälde und zum Bildnisstich geringe Aufwand und Preis verhalf dem Medium, das so ein Vorläufer der Fotografie wurde, zu großem Erfolg. Außerdem galt die Silhouette seit dem vierbändigen Werk von Johann Caspar Lavater, "Physiognomische Fragmente" (4 Bände, 1775–1778) als objektives Porträt, das auch über den Charakter Auskunft gebe. Zugleich wertete die literarische Bewegung der "Empfindsamkeit" Gefühle wie Liebe und Freundschaft auf und machte die Silhouette zum Beleg inniger Freundschaft. Besonders beliebt wurden Schattenrisse an den Universitäten, wo sie Stammbücher illustrierten, um Freundschaften zu dokumentieren. Hier wird die Silhouette für ein Selbstbildnis genutzt: Aubertin stammte aus Metz, war achtzehnjährig zu Beginn des Revolutionskrieges 1792 als Freiwilliger angeworben worden (schon daher kann das Geburtsjahr "1783" nicht stimmen) und dem Stab des Generals Marceau als Zeichner zugeteilt worden. Nach seiner Gefangennahme bei Mainz 1795 wurde er nach Dresden gebracht und wurde Helfer eines Kupferdruckers. Er lernte das Radieren und das Aquatinta-Verfahren, das er technisch weiter entwickelte. Nach dem Frieden von Lunéville ging er nach Paris - wo möglicherweise dieses Selbstbildnis als Werbeblatt entstand - im Sockelfeld sind Instrumenten der Graveurskunst zwischen den Initialen seines Namens dargestellt. Er fertigte aber vor allem Reproduktionsstiche, kehrte nach einigen Jahren in seine Vaterstadt zurück, arbeitete dann in Brüssel und schließlich in Gent. GD Literatur: Weiß, Ulrike: "treuer Schatten des Freundes". Die Porträt-Silhouette der Wertherzeit, in: dies. u.a. (Hg.), Goethes Lotte. Ein Frauenleben um 1800, Ausst.Kat. Wetzlar/Weimar/Hannover 2003, S. 140-157.
Dethlefs, Gerd
Porträtarchiv Diepenbroick
Maße
Blatt Höhe 21.4 cm Blatt Breite 14.5 cm Platte Höhe 21 cm Platte Breite 14.4 cm
Material
Papier Inventarnummer
C-507985 PAD Standort
Nicht ausgestellt Kunstwerk des Monats
https://fr.wikipedia.org/wiki/François_Aubertin


