
Johann Friedrich Gottlieb Unger Bildnissilhouette Johann Esaias Silberschlag (1721-1791), 1779
Silhouetten waren eine Mode, die sich seit etwa 1765 in Europa verbreitet hatte: der französische Finanzminister Étienne de Silhouette (1709–1767) hatte sein Schloss aus Sparsamkeit nicht mit Gemälden, sondern mit Schattenrissen dekoriert; sein Name übertrug sich auf die Gattung. Der Schattenriss wurde durch Hinterleuchten des Kopfes auf ein Blatt Papier aufgezeichnet und die Umrisslinie durch einen Storchenschnabel auf handliches Format verkleinert, dann ausgeschnitten oder mit Tusche schwarz ausgemalt. Der im Verhältnis zur Zeichnung, zum Gemälde und zum Bildnisstich geringe Aufwand und Preis verhalf dem Medium, das so ein Vorläufer der Fotografie wurde, zu großem Erfolg. Außerdem galt die Silhouette seit dem vierbändigen Werk von Johann Caspar Lavater, "Physiognomische Fragmente" (4 Bände, 1775–1778) als objektives Porträt, das auch über den Charakter Auskunft gebe. Zugleich wertete die literarische Bewegung der "Empfindsamkeit" Gefühle wie Liebe und Freundschaft auf und machte die Silhouette zum Beleg inniger Freundschaft. Besonders beliebt wurden Schattenrisse an den Universitäten, wo sie Stammbücher illustrierten, um Freundschaften zu dokumentieren.
Dieses Blatt stammt aus einer Edition "Schattenrisse sechs Berlinscher Gelehrten / Jn Holz geschnitten von Unger, dem jüngern. Zweyte Sammlung", die 1779 in Berlin erschien. Silberschlag war nach einem Theologiestudium Lehrer geworden, dann 1656-1766 Pfarrer in Magdeburg. 1769 wurde er Direktor der Realschule in Berlin, auf der technisches Wissen gelehrt wurde; 1770 wurde er wegen seiner teschnischen Kenntnisse Geheimer Baurat im neu errichteten Oberbaudepartement des Generaldirektoriums.
Verwandte Begriffe
Ähnliche Objekte

Bildnissilhouette Benjamin Wilhelm David Schulze (1715-1790)

Bildnissilhouette Nikolaus Béguelin (1714-1789)

Bildnissilhouette Johann Gottlieb Gleditsch (1714-1786)

Bildnissilhouette Johann Peter Bamberger (1722-1804)