
Hermann Finsterlin Königssee, vor 1918
Während sich Hermann Finsterlin zunehmend mit den großen Architekturen beschäftigte und in den Kunstmetropolen weiterhin unbeachtet blieb, zog es ihn immer wieder in die Berge. Bereits von 1908 bis 1914 lebte er, unterbrochen durch Reisen nach Italien und an die Nordsee, in München und Schönau bei Berchtesgaden. 1916 zog er mit seiner Frau ganz nach Schönau. 1926 zog die Familie nach Stuttgart, der Künstler verbrachte aber immer wieder Zeit in den Berchtesgadener Bergen, wo er aktiv an der lokalen Kunst- und Kulturszene teilnahm und seine Werke ausstellte. Finsterlin selbst sah sich zeit seines Lebens als Berchtesgadener Künstler und wurde auch in der Presse teilweise als solcher besprochen.
Das Gemälde „Königssee“, das zeitgleich zu zahlreichen seiner typischen Architekturstudien entstand, zeigt – im Vergleich zu seinen sonstigen Arbeiten – fast schon konventionell, von einem erhöhten Standpunkt aus den Königssee. Finsterlin, in dessen Gesamtwerk die Landschaftsmalerei eine untergeordnete Rolle spielt, nutzte hier reduzierte grüne, blaue und rote Farbtöne. Durch die Ausarbeitung mit hauptsächlich geraden, dicken Pinselstrichen sowie die strenge Komposition grenzte er sich von den klassischen Ansichten des Königssees ab. Fast wie durch ein Kaleidoskop betrachtet, stellte er die Landschaft dar. Der Bildaufbau sowie insbesondere das pflanzenartige Bildelement im Vordergrund weisen auf Formen seiner Architekturen hin und lehnen sich an das Werk Hans Schmithals (1878–1964) an.
LWL-Museum für Kunst und Kultur (Hg.): Die Gemälde der Moderne 1900 bis 1960. Die Sammlungen des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster [Best.-Kat. LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster 2023], Petersberg 2023, S. 142.
Stiftung Sammlung Cremer



