Frauenkopf mit Rabe (Vs.), Frauenkopf (Helene Finsterlin) (Rs.), 1908 (Vs.), nach 1913 (Rs.)
Die Werke Hermann Finsterlins, die sich im Bestand des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster befinden, stammen alle aus der Sammlung Siegfried Cremer (1929–2015). Der Sammler konzentrierte sich insbesondere auf die Kunst der 1960er-Jahre und stellte eine umfassende Sammlung mit Werken des Fluxus, ZERO und des Nouveau Réalisme zusammen. Im Bestand des LWL-Museums befinden sich zudem Grafiken, Spielzeug sowie Zeichnungen und Architekturskizzen Finsterlins.
Das Bild „Frau mit Rabe“ kommt dem Stil der später geschaffenen, fantastischen Architekturskizzen und -ideen unter den Arbeiten in der Sammlung der Moderne des LWL-Museums für Kunst und Kultur am nächsten. Finsterlins ‚utopische Architekturen‘ zeichnen sich durch teils gestaltlose Gebilde aus, die ineinander hineinragen.
Die Arbeit zeigt einen Raben, der sich auf den Knien einer nackten, auf dem Rücken liegenden Frau befindet. Die extrem langgezogenen, angewinkelten Beine der Frau ragen parallel zu ihren runden Brüsten nach oben. Die surreale, teils bedrohlich-grotesk anmutende Szene spielt sich im Freien ab, im von Finsterlin unbearbeiteten Hintergrund sind Vogelschwärme zu erkennen. Auf der Rückseite der Arbeit befindet sich ein Bildnis von Helene Finsterlin (unbekannt– 1965), das vermutlich später hinzukam, da der Künstler seine Frau erst 1913 kennenlernte und 1916 heiratete.
LWL-Museum für Kunst und Kultur (Hg.): Die Gemälde der Moderne 1900 bis 1960. Die Sammlungen des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster [Best.-Kat. LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster 2023], Petersberg 2023, S. 140f.