Ganzfigurbildnis Martin Luthers mit Schwan, um 1730
Martin Luther trägt hier wie die Gelehrten seiner Zeit die Schaube, einen Mantel mit Pelzbesatz, und blättert in einem offenen Buch. Rechts steht die Bibel über dem Wappen Luthers, links auf einem Tisch liegt ein offenes, zu beschreibendes Buch; ein Schreibset mit Tintenfass und Feder steht bereit. Die Kerze meint das Licht, mit der er die Finsternis der traditionellen katholischen, scholastischen Theologie vertrieb; diese seit dem 16. Jahrhundert übliche Lichtmetaphorik weist bereits auf das Zeitalter der Aufklärung (engl. "Enlightenment", franz. "siècle des lumières"). Der Schwan im Vordergrund ist ein Symbol für Luther: da der 1415 auf dem Konstanzer Konzil als Ketzer verbrannte böhmische Reformator Jan Hus vor seiner Hinrichtung geweissagt haben soll, „Heute bratet ihr eine Gans (tschechisch hus = Gans), aber aus der Asche wird ein Schwan auferstehen“, was man später auf Luther bezog. Der Schwan war schon in der Antike ein Symbol für Reinheit und Licht und im Spätmittelalter mit Christus verbunden worden. "An Luthers Seite zeichnet das Tier den Reformator also als gottbegabte Lichtfigur aus, die die reine Lehre Christi verkündete" (Andreas Kuhn). Tabea Sethmann/GD Literatur: Kuhn, Andreas / Stüber, Gabriele: Lutherbilder aus sechs Jahrhunderten. Ubstadt-Weiher u.a. 2016. S. 28-29 (Zitat). Seib, Gerhard [u.a.]: Luther im Porträt. Druckgrafik 1550-1900 [Ausst.Kat.]. Bad Oeynhausen 1983. S. 9-15. Dethlefs, Gerd: Luther und das Licht. Zur Ikonographie der Reformation auf Münzen und Medaillen, in: Jahrbuch für Numismatik und Geldgeschichte 68 (2018), München 2019, S. 349-378.
Tabea Sethmann / Gerd Dethlefs
Porträtarchiv Diepenbroick