Bildnis der Familie Beyerle, 1804
Johann Christoph Rincklake (1764-1813) überlieferte mit seinen Porträts einen Querschnitt durch die adelige und bürgerliche Gesellschaft Westfalens um 1800. Das "Bildnis der Familie Beyerle" ist eines der seltenen großformatigen bürgerlichen Familienbilder des Malers. Dargestellt sind der in Münster ansässige Kaufmann und Bieressigfabrikant Johann Evangelist Beyerle, seine am Kaffeetisch sitzende Ehefrau sowie die Familie ihrer Tochter mit drei Kindern. Anlass für den Porträtauftrag ist der 50. Geburtstag des Großvaters, den die Enkel mit liebevollen und freudigen Gesten begrüßen. Im Beisammensein der drei Generationen unter dem Blätterdach einer Gartenlaube, vor der Kulisse eines stattlichen Hauses, äußert sich darüber hinaus eine neue Zeit, der Beginn des bürgerlichen Zeitalters. Wie ein Panorama entfaltet das Familienbild Beyerle die Leitwerte des sich seiner Leistung und Bedeutung bewusst gewordenen Bürgertums: seine Säulen sind Fleiß, Bildung, Rechtschaffenheit und ein harmonisches, von Liebe getragenes Familienleben, in dem man den Kindern besondere Aufmerksamkeit schenkt, denn sie sind Hoffnungsträger in die Zukunft. Hiermit formuliert sich selbstbewusst ein Gegenentwurf zum Lebens- und Familienverständnis der adeligen Standesgesellschaft, das sich in ererbten Würden, Besitz und Ämtern gründete und in dem Ehen aus familienstrategischen Überlegungen geschlossen wurden. AL Literatur: Hildegard Westhoff-Krummacher, Johann Christoph Rincklakes Bildnis der Familie Beyerle. Eine Motivstudie zum Thema Geburtstag, in: Westfalen 60 (1982), S. 237-252. Hildegard Westhoff-Krummacher, Johann Christoph Rincklake. Ein westfälischer Bildnismaler um 1800, München/Berlin 1984. Angelika Lorenz, Das deutsche Familienbild in der Malerei des 19. Jahrhunderts, Darmstadt 1985. Andrea M. Kluxen, Das Ende des Standesportraits, München 1989.
Dr. Angelika Lorenz
Maße
125 162
Material
, Inventarnummer
2400 LM Standort
Raum 1.26 Kunstwerk des Monats
KdM_04_2016.pdf