Rüdiger Berlit
Biografie
Biogramm: Stud.: Leipziger Akad. für Graphik und Buch-Gewerbe (nur Vorkurs); Frühjahr 1909 ein Semester Akad. München bei Heinrich Knirr und Johann Brockhoff, der B. auf Peter Halm hinwies. Kurzer Aufenthalt in der Künstler-Kolonie Dachau. Bereits 1909 wieder in Leipzig. B. war von früher Jugend an herzkrank, lebte und arbeitete deshalb stets zurückgezogen. Befreundet mit den Leipziger Malern Eduard Einschlag, Eugen Hamm, Oskar Behringer und Max Schwimmer. 1919 Stud.-Reise mit Hamm und Wil Howard nach Gandersheim, 1920 mit Hamm, Behringer und Schwimmer nach Tirol. B. war aktives Mitgl. des Leipziger Ver. für Jahres-Ausst. (LIA). Seit 1911 verheiratet mit Helene B., geb. Mehlhorn (*1883 Leipzig, +A. 1980er Jahre ebd., die als Kunstfotografin, v.a. Portr., zw. 1910 und 1930 tätig war). 1919-28 veröff. er zahlr. Titelblätter und Ill. in F.Pfemferts Zs. Die Aktion. (Verz. cf. P.Raabe). Durch seine an Frans Masereel orientierten Ill. (5 Holz- oder Linolschnitte) zu Bruno Vogels Anti-Kriegsroman 'Es lebe der Krieg !', L. 1925, wurde B. in einen sich bis 1932 hinziehenden Prozeß vor dem Sächs. Landgericht wegen "Unzucht und Gotteslästerung" verwickelt. Für B. setzte sich Käthe Kollwitz ein. Das trug wesentlich dazu bei, daß B. nach 1933 als "entartet" diffamiert und Bilder aus Sammlungen, u.a. aus dem Leipziger Museum das Gem. 'Auffindung Mosis', entfernt und zerst. wurden. Ein großer Teil seines Werkes ist beim Luftangriff im Dez. 1944 auf Leipzig vernichtet worden. - Nach sehr naturnahen, teils an Peter Halm orientierten, und impressionist. Anfängen entwickelte er seit ca. 1913 einen verhaltenen Expressionismus, der u.a. von Emil Nolde (bes. im Aqu.) und Karl Schmidt-Rottluff (Rad.) beeinflußt scheint. Bei B. dominiert eine Harmonie reiner Farben. Bes. in Aqu. ist er ein kultivierter Kolorist der Naß-in-Naß-Technik, z.B. im Bildnis 'Helene B.' (um 1935). Die Zeichnung nutzt er zu verknappten, dichten Naturannäherungen. Die expressionist. Elemente zeigen sich bes. in der Druckgraphik. In der Rad. nutzt er bes. die kalte Nadel, mit der er spitz-geschlossene Formen, teils in feinen Strichelungen ritzt (10 Orig.-Rad. 1913-27, Mappen-Ed., Gal. am Sachsenplatz, Leipzig, L. 1987). B. malte v.a. Landschaften und Stilleben, aber auch Bildnisse und häufig christl. Motive. B. ist der char. Hauptvertreter des nur regional bedeutsamen und wenig bekannten Leipziger Expressionismus.
Kunstrichtungen
Steckbrief
Maler, Aquarellmaler, Grafiker
27.05.1883 (Leipzig)
27.08.1939 (Leipzig)


