Bertrand Jean Andrieu

Biografie

Biogramm: 1794 Heirat mit der Goldschmiedetochter Felicité Beckers. Stud.: 1777-86 Acad. des BA, Bordeaux, bei André Lavau und, nachdem A. sich 1786 in Paris niederläßt, Schüler von N.-M. Gatteaux, der ihm auch Zugang zum gesellschaftl. Leben der Hauptstadt verschafft. Seine Karriere beginnt 1790 mit der Med. La Prise de la Bastille, die bereits sein hohes handwerkl. Können beweist und zugleich sein Interesse an den revolutionären Ideen und Ereignissen deutlich werden läßt. Es folgten darauf die Med. Arrivé du Roi à Paris, 1789, und La fête de la fédération, 1790. 1791 beteiligt er sich am 1. Nat. Wettbewerb um die Stellung eines Graveur général des Monnaies, die A. Dupré erlangte. A. schuf dafür ein silbernes Ecu-Stück zu 6 livres, Avers mit Büste Louis XVI und Revers mit Darst. Règne de la loi, das er lt. Forrer zuvor der Acad. de peint. et de la sculpt. vorlegte für die Auswahl von Duviviers Nachfolger. 1791-97 widmet er sich gleichermaßen dem Stahlstich und produziert Vignetten für Assignaten und Buchdruck. 1797 wird A. berühmt mit seinen Stichen für Firmin-Didots Virgil- Ausgabe, der ihm darauf auch die Ausführung einer Vignette in Medaillon-Form mit dem Triple-Porträt Gutenberg, Fust und Schöffer überträgt. 1807 sticht er Motive für ein Kartenspiel nach Zeichnungen von Monget. 1809 Auftrag an A. von der frz. Regierung, ein neues Schema für Spielkarten, gültig für das gesamte Kaiserreich, zu stechen. A.s eigentliche erfolgreiche Laufbahn als Medailleur beginnt jedoch ab 1798, als ihn der Dir. der Münze, der Zeichner und Kupferstecher Vivant-Denon, sowie darauf dessen Nachfolger Paymaurin mit Aufträgen versieht, von der Bataille de Marengo, 1800, bis zur Naissance du Duc de Bordeaux, 1820, ein Vierteljahrhundert große geschichtl. Ereignisse in der Medaillenkunst darzustellen. 1798 reicht er erstmals Arbeiten im Salon ein, bis 1819 werden dort über 100 seiner besten Arbeiten gezeigt. Im Auftrag der Jury des Salon führt er auch die Med. Prix décennaux aus. Von ihm stammen zahlr. Napoleon-Darst., z. B. Retour de l'Ile d'Elbe de l'Empereur; Napoléon et Annibal, beide 1813. 1814 schuf A. die Gedenkmed. Charte Constitutionelle und 1817 die mit zu seinen Meisterwerken zählende Med. Rétablissement de la Statue d'Henri IV. Von seinen letzten Werken sind besonders Mariage du Duc de Berry, 1816, und Naissance du Duc de Bordeaux, 1820, von der 100.000 Exemplare geprägt wurden (A. erhielt dafür eine Summe von 15.000 Francs) hervorzuheben. 1817 graviert er im Auftrag der Frz. Bank die 1.000 Franc-Note. Unter Louis XVIII wurden zahlr. Med., die A. während des Empire graviert hat, mit verändertem Revers (um die Darst. von Napoleon zu umgehen) geprägt. Die Porträts Louis XVIII und Napoleons wurden künstler. für so vollendet gehalten, daß sie auch später noch für zahlr. Avers von Med. dienten, wobei die Rückseiten von anderen Medailleuren gestaltet wurden. Nach seinem Tod benutzte die Pariser Münze einige seiner Prägungen weiter, z. B. die Darst. der Minerva für die Hochzeitsmed. - A. gehörte zu den bedeutendsten und angesehensten Künstlern seiner Zeit, wovon versch. Ehrungen zeugen: 1812 Mitgl. der Wiener Akad. der Schönen Künste, 1821 Chevalier de l'Ordre Royal de St-Michel. Er erhielt auch zahlr. Aufträge aus dem Ausland, z. B. 1812 von der Stadt Lausanne, um den Stempel für die Med. zum Acte de Médiation zu schneiden. A. vollzieht lt. J.-M. Darnis mit seinem Werk etwas verspätet den Übergang der frz. Medaillenkunst zum Neoklassizismus. Basierend auf dem Studium antiker griech. (Syrakuser) Münzkunst und anknüpfend an die frz. Traditionen des 17. und 18. Jh. eines J. Warin und eines A. Dupré, gelingt es ihm durch die meisterhafte Handhabung des Stichels und mittels einer geschickten Komposition, eine ganze Reihe von hervorragenden Werken mit schulbildender Wirkung zu schaffen. Neben treffenden Porträts, in denen man den Schüler Gatteaux's bemerkt, findet man auch Med., wie z. B. Prise de la Bastille, die das malerische Element in der Medaillenkunst betonen.

Steckbrief

Beruf
Kupferstecher, Medailleur
Geboren
04.11.1761 (Bordeaux)
Verstorben
10.12.1822 (Paris)

Werke des Künstlers im LWL-Museum für Kunst und Kultur (1)

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